Living Lab: Wir suchen eine CREW


Als Individuen stehen wir den sozialen, ökologischen und ökonomischen Gesellschaftsthemen oft ohnmächtig gegenüber. Der gefühlte Handlungsspielraum ist minimal oder extrem aufwendig in der Umsetzung. Das Resultat ist meist Resignation und Hinnahme des Ist-Zustands. Wie können wir in unserem Alltagsleben die Architekten unserer Zukunft werden, um dieses langfristig nachhaltig zu gestalten? Diese Frage erforschen wir durch Experimentieren im Zusammenleben in einer Gruppe und lassen unsere gesammelten Erfahrungen der Gesellschaft zufliessen.

Kennst du diesen Weltschmerz? Dieses Gefühl, das einen überkommt wenn man den Amazonas brennen sieht. Diese Traurigkeit, Angst, Wut und vor allem Hilflosigkeit. Und dann kommt diese Stimme, die sagt “Schau weg! Du kannst ja eh nix ändern. Du bist zu klein, zu machtlos, zu wenig talentiert.” Und ja die Feuer im Amazonas können wir gerade wirklich nicht löschen.

 

Was dann?

Mit Empowerment (von englisch empowerment „Ermächtigung, Übertragung von Verantwortung“) bezeichnet man Strategien und Maßnahmen, die den Grad an Autonomie und Selbstbestimmung im Leben von Menschen oder Gemeinschaften erhöhen sollen und es ihnen ermöglichen, ihre Interessen (wieder) eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten. Es beschreibt also die Fähigkeit, das Leben wieder aktiv in die Hand zu nehmen und wie ein/e Architekt/in zu gestalten. Anstatt die Rebellen im System zu werden, wollen wir Utopien erforschen und der Gesellschaft Alternativen vorleben. 

Wie das?

Das Element des Experimentierens gibt uns die Möglichkeit, aus der Fehlerkultur auszubrechen und Dinge umzusetzen ohne den Anspruch auf Ewigkeit und “das einzig Richtige” zu tun. Es gibt die Möglichkeit, sich selbst in einem kreativen, spielerischen Raum zu beobachten  und diesen verlassen oder anpassen zu können. Vor einem Jahr starteten wir als Familie einen grossen Schritt in Richtung Selbstermächtigung. Wir nahmen unsere Bedürfnisse im Lebensraum selbst in die Hand und starteten ein erstes Experiment. Wir zogen in unsere Tilla (tiny villa)  - unsere energieautarke, 33m2 grosse Mobilie und beleben ein Grundstück für zwei Jahre zur Zwischennutzung. Unser Fazit zur Halbzeit: Wir können bereits die meisten Forschungsfragen zu unserer Zufriedenheit beantworten und wissen nun endgültig, dass wir ohne eine Crew niemals zu unserer vollen Zufriedenheit unsere Standards in sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit leben können. 

Und nun zu dir!

Wir  suchen also  Menschen, die sich berufen fühlen, ein grosses Abenteuer zu starten, das ihr komplettes Leben auf den Kopf stellen wird,  ständig ihre Gewohnheiten hinterfragt und ihre Komfortzone vollkommen neu definiert. 

Wir werden ab Herbst 2020 mit 10 Erwachsenen + Kind und Kegel ein gemeinsames Grundstück bewohnen. Die Laufzeit dieser Abenteuerreise ist auf drei Jahre angesetzt. In dieser Zeit werden wir gemeinsam leben und forschen. Unsere Vision: Das Labor unserer eigenen Zukunft zu werden. Als Gruppe die Selbstorganisation zu meistern. Unsere Mission: Handeln statt motzen. Wir gestalten einen nachhaltigen Lebensraum. Wir suchen nach einem Weg gemeinsam zu wirtschaften. Wir lernen als Gruppe effektiv zu werden. Wo drückt dich der Schuh? Wo möchtest du ins Handeln kommen und wünscht dir eine Crew, die sich mit dir auf eine Wandel-Reise begibt? 

 

RAHMEN

  1. Projektdauer 3 Jahre
  2. Aufwand ca. 1 Arbeitstag pro Woche Living Lab + Gemeinschaftsleben, Hausunterhalt
  3. Unterkunft wird vom Projekt gestellt (du zahlst einen Mietbetrag/Genossenschaftsbeitrag)
  4. Mit uns leben Kinder und Tiere (Hund)
  5. Der Ort ist noch nicht bekannt

Und wer bist du so?

Wenn dich die Idee begeistert, hilft es sich damit auseinanderzusetzen, welche Fähigkeiten auf dieser Reise von Vorteil sind. Nur so können wir gewährleisten, dass alle Teilnehmenden auf Dauer zufrieden leben können. 

ICH

  1. Experimentierfreude: hohe Bereitschaft zum Wandeln (offen Konzepte, Strategien und Muster  loszulassen), Lust ausserhalb der Komfortzone sein, Erfahrung mit komplexen Situationen umzugehen (Erfindergeist)
  2. Selbstkenntnis und -reflexion: klare Werte und eine Vision/Mission für das Leben, Kenntnis von Schatten und Lichtseiten der eigenen Person, Bereitschaft eigene Muster zu erkennen und zu wandeln, Fähigkeit schnell zu lernen  & sich neuen Gegebenheiten anzupassen, gewisse Konditionierungen schon bewusst angegangen (Gender, Geld,Rassismus…) und bereit anzugehen
  3. Selbstverantwortung: Verantwortung für das eigene  Handeln (bin nicht das Opfer meines Umfelds), Fähigkeiten und Methoden sich selbst zu regulieren (habe einen Werkzeugkasten), Kenntnis darüber was einem gut tut

DU

  1. Sozialkompetenz: weitreichendes Interesse am Anderen, Toleranz, Interesse daran anderen mit deinen Talenten zu helfen und fördern, den Anderen in seinem Potenzial und seinen Schatten sehen und respektieren (Wertschätzung)
  2. Emotionale Intelligenz/Achtsamkeit: Bereitschaft zuzuhören, hohe Empathiefähigkeit, achtsamer Umgang miteinander und den Dingen der Anderen
  3. Konfliktkultur: Konfliktbereitschaft und Fähigkeit diese zu lösen, Beziehungswerte klar definiert

CREW

  1. Kreative Kraft, Ermächtigung: sich selbst als Spieler/ Laborratte erkennen können, eigene Schöpfungskraft und Kreativität aktivieren können, Ermächtigung zum Handeln behalten auch in Stresssituationen, Strukturen erkennen und Neue entwerfen
  2. Systemarbeit: Begeisterung und Ressourcen für Gruppenprozesse, Individualbedürfnisse abgleichen mit dem Gruppenbedürfnis, Schatten der Gemeinschaft erkennen und handeln, Faszination und Feingefühl für das Kollektiv, Kultur kreieren
  3. Accountability: eigene Rolle sehen, Verantwortung für eigene Beiträge und Positionen, Bedürfnisse und Projektionen übernehmen, Klare Absprachen einfordern, respektieren und pro-aktiv ändern wenn notwendig

GESELLSCHAFT

  1. Ernte: Interesse und Fähigkeit, über abgeschlossene Experimente zu reflektieren, Gelerntes zu filtern und teilen… (aufbereiten und veröffentlichen), Anwenden auf ein grösseres System
  2. Vertretung: Fragen beantworten können, das Projekt gegen Aussen vertreten, für die Werte und das Erlernte einstehen
  3. Vernetzung: Interesse an anderen Projekten, Netzwerken, Menschen… Das Projekt und die neuen Konzepte unter das Volk bringen, Förderer finden, Vernetzung mit Interessensgruppen und “Helfern”

Ist dies dein Call?

Schreib uns warum du dich auf diesen Pioniersweg machen willst oder noch besser dreh ein kleines Video für uns und beantworte uns diese drei Fragen:

  1. Was  interessiert dich am Projekt?
  2. Was möchtest du mit uns wandeln?
  3.  Was bringst du mit?

Bitte sende uns dein Motivationsschreiben/Video bis spätestens 27. Oktober 2019 an
labor [at] projekt-tilla [dot] ch

Wir melden uns dann alsbald bei dir!

Im November treffen wir uns zu einem Workshop Tag. Wir stellen das Living Lab in der Tiefe vor und lernen einander kennen. Es können sich so noch weitere Labs oder auch einfach Gemeinschaften bilden.

Motivationsvideos von uns